Die Geschichte des OV Waldshut

Die Anfänge einer Sanitätsgruppe reichen bis in die Mitte der 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts zurück. Ende des Jahres 1898 wurde vom Amtsvorstand und geheimen Regierungsrates Dr. Wild die männliche Bevölkerung der Stadt aufgerufen, in einem neuzugründenden Männerhilfsverein mit-zuwirken. Bei der am 02. Januar 1899 stattgefundenen Gründerversammlung konnten durch den Medizinalrat Dr. Baer 30 Männer zur Mitarbeit gewonnen werden. Der Ortsausschuss wurde am 30. Januar 1899 gebildet. Dr. Hermann Baer wurde zum 1. Vorstand und 1. Kolonnenarzt gewählt.

Die Überführung des Männerhilfsvereins in eine Sanitätskolonne wurde nach der Jahrhundertwende viel diskutiert, aber selbst die Großherzogin Luise, die am 02. Oktober 1905 in Waldshut weilte, konnte die Gegner nicht umstimmen. Erst ein verheerendes Brandunglück in Donaueschingen ließ die Notwendigkeit einer gut organisierten Sanitätskolonne erkennen. Diese wurde am 21.12.1908 gebildet. Den letzten Anstoss gab ein neueingesetzter Amtmann Seidennadel, der sich hohe Verdienste um das Rote Kreuz in Karlsruhe erworben hatte. Bald konnte sich die Sanitätskolonne gut ausgerüstet sehen lassen. Im Jahre 1911 fand eine groß angelegte Sanitätsübung statt, angenommen wurde ein Eisenbahnunglück mit 20 Verletzten. Der Transport wurde mit"einem Leiterwagen für 6 Verletzte, einer Räderbahre, einem Pritschenwagen für 4 Verwundete, einem Velowagen und einer Schubkarre"(!) durchgeführt.

Aus einer Statistik im Jahre 1914 gehen folgende Einsatzzahlen hervor: 146 Hilfeleistungen, davon 16 schwere Verletzungen sowie 29 Transporte, davon 8 "Irren-transporte". Nach dem Kriegsende konnte im März 1919 die Arbeit mit 28 Helfern wieder aufgenommen werden. Das Inventar und die Ausrüstung hatten durch den Krieg sehr gelitten, mangels Geld und Material musste viel improvisiert werden. Die seit der Gründung der Sanitätskolonne zugewiesenen Räumlichkeiten im Spritzenhaus erwiesen sich 1923 als zu klein, in den folgenden Jahren sollte die Unterbringung zu einem Dauerproblem werden. Die Kellerräume im neuen Schulhaus waren bald ebenso ungeeignet wie die Turnhalle, da hier die Fahrtrage den wackeren Turnern stets im Wege stand. Im Jahre 1923 wurden Räume im alten Schulhaus bezogen.

Aus der Statistik für 1927: 54 Mitglieder, 337 Hilfeleistungen, davon 38 schwer. Es wurden 296 Transporte (265 mit dem Krankenauto, 22 mit der Räderbahre, 9 mit der Eisenbahn, davon 12 "Irrentransporte") durchgeführt. An Einsätzen gab es: "1 Brandalarm, 3 Auto-, 3 Motorradunglücke
und 6 Stechereinen, Fuhrwerks- und Grubenunglücke". Im Jahre 1933 war man mit dem Gerätelokal in der Auto-Garage des Krankenhauses nicht rundum zufrieden: das Material und die Gerätschaften waren nicht ordnungsgemäß zu lagern - das Krankenauto stand auf der einen Seite, auf der anderen waren die Schweineställe mit den typischen Gerüchen. Daher zog man bald in die Weinhandlung Brugger in die Amthausstraße um.

Im zweiten Weltkrieg mussten die Frauen und Männer des Roten Kreuzes bis an ihre körperlichen Grenzen Hilfe leisten. Immer wieder wurden Verwundete und Kranke versorgt, die mit Lazarettzügen eintrafen. Der Bahnhofsdienst erstreckte sich rund um die Uhr. Auch wurden Transporte begleitet. Nach der Besetzung Waldshuts durch die Franzosen im April 1945 wurde verfügt, dass das Rote Kreuz durch das Badische Hilfswerk zu ersetzen sei. Doch bereits nach kurzer Zeit konnte das Rote Kreuz seine Tätigkeit wieder aufnehmen.

In der weiteren Entwicklung konnte der Ortsverein seine Ausrüstung ständig erweitern. Das Deutsche Rote Kreuz Waldshut wurde auch im Umland zu einer verlässlichen Hilfe.Ein Meilenstein in der Geschichte ist das Jahr 1972. Nachdem vereinbart wurde, dass der Krankentransport vom Krankenhaus Waldshut an das Rote Kreuz übergeht, mussten geeignete Räume gefunden werden. Diese fand man in der ehemaligen Molkerei in der Eisenbahnstraße. Im August 1972 konnte das Haus an den Kreisverband (KV) übergeben werden. in diesem Hause war die Bereitschaft und das Jugendrotkreuz in den Schulungsräumen des KV untergebracht, das Material lagerte in den Schrankwänden. Der Krankentransport sowie der sich im Aufbau befindliche Rettungsdienst wurden zu einer neuen, bedeutenden Aufgabe, worauf man sich mit intensiven Ausbildungen vorbereitete.

In jeder Nacht sowie an den Wochenenden und Feiertagen waren drei ehrenamtliche Helferinnen und Helfer anwesend, um zusammen mit einem hauptamtlichen Kollegen einen Rettungswagen (Opel Blitz) und einen Krankenwagen jeweils für 12 Stunden zu besetzen. Diese Dienste wurden durch verschiedene Bereitschaften abgedeckt, wovon der Großteil allerdings durch die Bereitschaft Waldshut geleistet wurde. Aufgrund der Neufassung des Rettungsdienstgesetzes und der damit geforderten qualifizierten Aus- und fortbildung zogen sich die Bereitschaftsmitglieder nach und nach aus dem Rettungsdienst zurück. Heute werden die ehrenamtlichen Dienste nicht mehr durch die Bereitschaften, sondern durch eine Fachdienstgruppe abgedeckt. Mitte der siebziger Jahre war auch der 1963 gegründete, eigene Fernmeldezug in seiner stärksten Phase. Man verfügte über 14 Mitglieder, die den Umgang mit dem Feldtelefon bzw. dem Funkgerät vor allem für den Einsatz im Katastrophenfall probten. Diese Gruppe wurde Ende der siebziger Jahre aufgelöst, das Material ging an den Kreisverband.

Im Jahre 1982 wurde von der DRK-Blutspendezentrale Ulm ein ausgemustertes Teamfahrzeug erworben. Der Kastenwagen mit 6 Sitzplätzen wurde in etlichen Arbeitsstunden hergerichtet und für unsere Zwecke ausgebaut. Das Fahrzeug, das im DRK-Haus keinen Platz fand, wurde in angemieteten Garagen in der Bleiche bzw. am Chilibiplatz eingestellt. Ersetzt wurde das Fahrzeug später durch Katastrophenschutz-Fahrzeuge, die vom Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wurden. In den achziger Jahren hat sich die Bereitschaft vor allem auf dem Gebiet der Erste Hilfe-Wettkämpfe einen Namen gemacht, der Höhepunkt war 1986, als man Landessieger und 2. Bundessieger wurde.

 

Im Herbst 1988 konnten wir im neuen DRK-Haus in der Fuller Straße 2 erstmals geräumige, eigene Räumlichkeiten samt Garage beziehen. Gruppenraum, Material und Fahrzeuge befanden sich endlich unter einem Dach. Verdienst im ganzen Kreisverbandsgebiet erlangten wir auch durch die Realistische Unfalldarstellung (RUD). Für unzählige Übungen wurden Verletztendarsteller täuschend echt geschminkt.

Die Zeiten haben sich gewandelt - das Rote Kreuz in Waldshut auch. So ist die Bereitschaft Waldshut heute eine junge, gut ausgebildete Truppe, die den Anforderungen gewachsen ist