Einsatzbericht Pfadfinderlager Küssaburg 2014

Wetter:

Trocken, Mondschein (fast Vollmond) und maximal 16 °C.

Lage:

Die integrierte Leitstelle Waldshut (ILS WT) hat um 2:54 Uhr  am 11.6.2014 einen Notruf über einen internistischer Notfall mit einer Lebensmittelvergiftung bei der Burgruine Küssaberg erhalten. Die ILS hat umgehend den RTW RKWT 1/83-2 (Lauchringen) und kurze Zeit später das NEF RKWT 1/82 (Waldshut) zur Einsatzstelle geschickt. Bedingt durch die vielen Baustellen und gesperrte Straßen auf dem Weg zur Küssaburg ist der RTW um 3:15 Uhr an der Einsatzstelle eingetroffen. Das NEF mit Notarzt ist 5 Minuten später angekommen. 

Um die Ruine der Küssaburg führten drei Gruppen von Pfadfindern ihr Pfingstlager durch. Im Lager waren 60 Personen. Die meisten der weiblichen und männlichen Pfadfinder waren Kinder und Jugendliche. 

Beim Eintreffen von RTW und NEF haben neben dem gemeldeten Notfall  weitere 7 Personen über Übelkeit, Erbrechen und Magen- Darm- Probleme unklarer Ursache geklagt. 

Die Rettungsdienstmitarbeiter meldeten die angetroffene Situation der ILS Waldshut und verlangten die erforderliche Verstärkung.

Einsatzabwicklung:

Die ILS Waldshut hat um 3:31 Uhr die Kreisbereitschaftsleitung via Meldeempfänger alarmiert. Der Kreisbereitschaftsleiter ist zum DRK Kreisverband Waldshut in die Fuller Str. 2 gefahren, hat sich mit dem Rettungsassistenten auf der ILS abgestimmt und hat das DRK Einsatzfahrzeug (RK WT 11/10, MTW) besetzt und ist zur Einsatzstelle gefahren. 

Als Verstärkung hat die ILS Waldshut folgende Verstärkung alarmiert: 

  • DRK Kreisbereitschaftsleitung mit MTW (RK WT 11/10)
  • Leitender Notarzt mit MTW (RK WT 83/35)
  • Rettungswagen von der Rettungswache Waldshut (RK WT 1/83-1)
  • DRK Bereitschaft Küssaberg mit Notfallkrankenwagen (RK WT 44/85)
  • DRK Bereitschaft Lauchringen mit Notfallkrankenwagen (RK WT 14/85) und Gerätewagen Sanität (RK WT 14/41)
  • DRK Bereitschaft Klettgau mit Notfallkrankenwagen (RK WT 84/85)
  • DRK Bereitschaft Hohentengen mit Einsatzleitwagen (RK WT 44/11)  und Mannschaftstransportwagen (RK WT 44/26)   

Die Alarmierungen und die Zeiten vom Eintreffen der Einsatzmittel werden in der folgenden Tabelle dargestellt:

Alarmzeit

Eintreffen

Einsatzmittel

2:54

3:15

RK WT 1/83-2

2:57

3:20

RK WT 1/82

3:31

3:43

RK WT KBL, ILS WT an

3:56

4:08

KBL, RK WT 11/10

3:53

4:11

RK WT 84/85

3:58

4:14

RK WT 1/83-1

3:54

4:14

RK WT 44/26

3:46

4:14

RK WT 44/85

3:37

4:16

WT LNA, RK WT 83/35

3:48

4:18

RK WT 14/85 

3:48

4:19

RK WT 14/41

3:54

4:24

RK WT 44/11


Die Einsatzmittel der benötigten DRK Bereitschaften (Katastrophenschutz) haben von der Alarmierung bis zum Eintreffen an der Küssaburg zwischen 18 und 30 Minuten benötigt. Folgende Maßnahmen sollen noch erwähnt werden:

  • 3:11 Eintreffen einer Polizeistreife, die später nicht mehr gesehen wurde
  • 4:01 Alarmierung von Bürgermeister Weber
  • 4:40 Entscheidung für ein Konzept zur Einsatzabwicklung ist gefällt, Patienten werden direkt in Krankenhäuser transportiert.
  • 4:41 Alarmierung Bereitschaftsdienst vom LRA Waldshut
  • 4:42 Polizeistreife als Vertretung vom WKD und zur Kommunikation mit Polizeidienststelle FR angefordert.
  • 4:46 Rückmeldung über 60 Personen im Pfadfinderlager.
  • 5:42 ILS WT beauftragt die eingesetzten Krankentransportwagen und zugehörigen Einsatzkräfte, entsprechend den Desinfektionsrichtlinien, zu desinfizieren.

Nach dem Eintreffen machten sich der leitende Notarzt und der Notarzt an die Sichtung der Betroffenen. Nach der ärztlichen Sichtung sollte die Strategie für die Einsatzabwicklung festgelegt werden. Es sollte zwischen einer Versorgung in Zelten, einer Versorgung im Inselpavillon (Gemeindehalle) in Rheinheim und einem Transport in Krankenhäuser entschieden werden.

Bei der Sichtung wurden 9 Patienten festgestellt die ärztlich zu versorgen sind. Es wurde die Strategie Transport in verschiedene Krankenhäusern gewählt.

Foto: H.W. Schlett / DRK OV WT

Der Gerätewagen Sanitätsdienst wurde auf dem Parkplatz der Gaststätte Küssaburg stationiert. Der Gerätewagen Sanitätsdienst leuchtete den Platz für die Einsatzkräfte aus. Außerdem war der Gerätewagen Sanitätsdienst der DRK Bereitschaft Lauchringen als Materialreserve vorgesehen und konnte bei Bedarf 2 Zelte inkl. Beleuchtung aufbauen, möblieren und betreiben. Der Platz war ausreichend um bei Bedarf den in Waldshut stationierten GW San von Land Baden-Württemberg ebenfalls einsetzen zu können. 

Nach der festgelegten Strategie Transport wurde der Abtransport der Patienten eingeleitet. 

Bei dem Abtransport haben die Integrierten Leitstelle Waldshut, der leitende Notarzt und der Einsatzleitwagen der Bereitschaft Hohentengen zusammengearbeitet. 

Es wurden 9 Patienten mit 2 Rettungswagen und 3 Notfallkrankenwagen groß-räumig in verschiedene Krankenhäuser in den Landkreisen Konstanz, Lörrach und Waldshut transportiert. Bei den Transporten war keine notärztliche Begleitung erforderlich. 

Mit dem Abtransport des letzten Patienten gegen 5:45 Uhr war das Einsatzende an der Küssaburg gekommen. 

Der letzten Krankenkraftwagen meldeten sich an seinen Standort um 8:02 Uhr wieder einsatzbereit. 

Damit betrug die gesamte Einsatzdauer 5:08 Stunden.

Einsatzmittel und Einsatzkräfte:

Vom DRK Kreisverband Waldshut e.V. waren die folgenden Einsatzmittel im Einsatz: 

Rettungsdienst:

  • 1 MTW (KatS) mit leitendem Notarzt
  • 1 NEF mit Notarzt und Fahrer
  • 2 RTW mit Rettungsassistenten

 Katastrophenschutz:

  • 1 MTW mit Kreisbereitschaftsleitung
  • 1 Einsatzleitwagen mit Funker
  • 1 Gerätewagen Sanitätsdienst mit Mannschaft
  • 1 Mannschaftstransportwagen mit Mannschaft
  • 3 Notfallkrankenwagen mit Rettungssanitätern

Vom Rettungsdienst waren 3 Einsatzfahrzeuge vor Ort und vom Katastrophenschutz (DRK Kreisverband Waldshut) waren 8 organisationseigene Einsatzfahrzeuge an der Küssaburg. 

Auf den aufgelisteten 11 Rettungsmitteln haben 2 Notärzte und 20 Einsatzkräfte vom DRK Kreisverband Waldshut e.V. den Einsatz abgearbeitet. 

Nach dem Einsatz wurden alle Krankenkraftwagen inkl. Personal entsprechend den Richtlinien vom Rettungsdienst Waldshut desinfiziert. 

Die Polizei war mit einem Team vor Ort und hat den Sachverhalt aufgenommen, Lebensmittel sichergestellt und die Kommunikation zu der übergeordneten Polizeidienststelle in Freiburg durchgeführt. 

Der Bereitschaftsdienst vom Landratsamt Waldshut wurde von der ILS Waldshut alarmiert und informiert.

Kommentare zur Einsatzabwicklung:

Nach der Rückmeldung von den ersteingetroffenen Einsatzkräften des Rettungsdienstes war eine begrenzte Anzahl Patienten bekannt. Diese Patienten waren zu diesem Zeitpunkt nicht in Lebensgefahr. Jedoch war unbekannt ob die Anzahl der Patienten noch steigt. 

Das Lager der Pfadfinder war nur über einen einspurig befahrbaren Feldweg (Schlossbergstrasse) von der Gaststätte Küssaburg aus erreichbar. Nur das erste Drittel des Feldweges ist geteert. Die Entfernung vom Einsatzort zur Gaststätte Küssaburg beträgt ca. 450m. Der Platz um die Gaststätte ist befestigt und ausreichend groß um einen BHP 50 aufzubauen und die benötigten Einsatzfahrzeuge zu platzieren.  

Es wurde versucht Informationen über die Lage vor Ort zu erhalten. Parallel dazu wurden Einsatzkräfte alarmiert.

Da es abzusehen war, dass der Einsatz mehrere Stunden gehen wird, wurden  überwiegend Einsatzkräfte vom Katastrophenschutz aus dem DRK Kreisverband Waldshut alarmiert. Die KatS Einsatzkräfte sollten für einen möglichen unvorhersehbaren Notfall durch einen RTW vom Rettungsdienst ergänzt werden. 

Mit den alarmierten Einsatzkräften sollte bei der Abwicklung zwischen  verschiedene Strategien kurzfristig entschieden werden können. Außerdem sollte bei einem Zuwachs von versorgungspflichtigen Patienten ein wellenförmiges aufwachsen von Einsatzkräften und Mitteln möglich sein. 

Es waren folgende Abwicklungsstrategien angedacht:

  1. Transport der Patienten in umliegende Krankenhäuser
  2. Versorgung in einem Behandlungsplatz (z.B. BHP 25-50 vor Ort)
  3. Transport in den Insel- Pavillon nach Rheinheim und dortige Versorgung der Patienten 

Da die Anzahl der zu versorgenden Patienten in der Informations- und Entscheidungsphase nicht  zugenommen hat wurde die Strategie 1 vom LNA ge-wählt.

Es wurden KatS Einsatzkräfte mit folgenden Einsatzmitteln alarmiert:

  1. Notfallkrankenwagen die regelmäßig im Hintergrunddienst Kranken-transport zum Einsatz kommen
  2. GW San mit Material für einen BHP 25
  3. MTW zum GW San
  4. ELW 

Diese KatS Einsatzkräfte waren 18 bis 30 Minuten nach der Aarmierung an der Einsatzstelle.

In Abstimmung mit dem LNA wurde eine gute Liste Patientenübersicht geführt. Mit dieser Liste war jederzeit der Überblick über zu versorgende Patienten und die entsprechenden Transporte vorhanden. 

Die Abklärungen mit den aufnehmenden Krankenhäusern war langwierig und mühsam. Dies hat nach meiner Meinung folgende Ursachen: 

  1. Krankenhäuser tun sich anscheinend schwerer Patienten mit dem Verdacht auf eine mögliche Infektion aufzunehmen wie wenn die Patienten  Verletzungen haben. In Ländern (z.B. Holland) bei denen jeder Patient bei der Aufnahme solange als infektiös gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist, erwarte ich solche Probleme nicht. Dies ist eine Strategie die das Gesundheitswesen in Deutschland betrifft. 
  2. Bei der Anmeldung von Patienten in Krankenhäusern muss ein kurzer klarer und verständlicher Auftrag an die Krankenhäuser übermittelt werden. Die Anmeldung sollte so erfolgen: „In der Gemeinde Küssaberg haben wir einen Massenanfall von Erkrankten. Der LNA hat ihnen X Patienten zu gewiesen. Die Patienten haben die Symptome Y. Wir erwarten das Eintreffen von unserem Einsatzfahrzeug in Z Minuten bei Ihnen. Fragen? Für Rückfragen sind wir erreichbar unter der Telefonnr. …. Danke für Ihr Verständnis und die Zusammenarbeit“.
  3. Die Sichtung ist eine wesentliche Aufgabe des LNAs. Er wird hierbei unterstütz von dem OrgL. Im Rahmen der Sichtung werden auch Vorschläge für die Einlieferung der Patienten in Zielkrankenhäuser gemacht. Das Ergebnis ist die Liste Patientenübersicht. Der ELW soll den Inhalt der Liste Patientenübersicht an die ILS übermitteln. Die ILS setzt sich mit den entsprechenden Krankenhäusern in Verbindung und gibt dem ELW dann die Vorgabe welche Krankenhäuser anzufahren sind. Bei dem Einsatz Küssaburg hat sich gezeigt, dass die Abklärungen mit den Krankenhäusern nur von Personen effizient erfolgen können die dies öfters tun. Deshalb soll die Abklärung mit den Krankenhäusern in der Regel von der ILS vorgenommen werden.

Zusammenfassung:

Der DRK Kreisverband Waldshut e.V. hatte für diesen Einsatz 22 Einsatzkräfte mit 11 Einsatzfahrzeugen in den Einsatz gebracht. Nach der Alarmierung waren die Einsatzkräfte vom Katastrophenschutz DRK Waldshut zwischen 18 und 30 Minuten an der Einsatzstelle. 

Wegen diesem Einsatz ist es im Rettungsdienst zu keiner Überschreitung einer Hilfsfrist gekommen. Dies war durch die gemeinsame Einsatzabwicklung von Rettungsdienst und Katastrophenschutz im DRK Kreisverband Waldshut e.V. unter der Leitung der integrierten Leitstelle Waldshut möglich. Der Einsatz Küssaburg hat nur 2 Rettungswagen vom Rettungsdienst über mehrere Stunden gebunden. 

Die Abarbeitung von dem Einsatz ist ruhig, koordiniert und effizient erfolgt. Pro Patient waren 2,4 Einsatzkräfte im Einsatz. Bei unseren Übungen rechnen wir je nach Komplexität mit 1,5 bis 3,0 Einsatzkräften pro Patient. 

Es wurde während der Patiententransporte kein Notarzt zur Patientenbegleitung nachgefordert. Es wurde bei keinem unserer 9 Patienten eine Sekundärverlegung bekannt. 

Durch die regelmäßigen und praktischen Erfahrungen im Hintergrunddienst Krankentransport haben unsere Einsatzkräfte vom KatS die Patiententransporte professionell und zügig abgearbeitet. Auch war es wichtig, dass bei den Patiententransporten Notfallkrankenkraftwagen zum Einsatz gekommen sind die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und die die notwendige medizinische Ausrüstung an Board haben. 

Bewährt haben sich auch die Travel Power Anlage (230 V Stromerzeugung im LKW) und der pneumatische Lichtmast an dem GW San der DRK Bereitschaft Lauchringen. Mit dieser Ausrüstung konnte der Platz für die Einsatzkräfte an der Gaststätte Küssaburg sofort nach dem Eintreffen vom GW San mit der Bedienung von 3 Schaltern ausgeleuchtet werden. 

Der Einsatz hat auch gezeigt, dass in einem solchen Einsatz der Katastrophenschutz das know how, die Mittel zur Desinfektion und die Infrastruktur von Rettungswachen des Rettungsdienstes zum desinfizieren der Notfallkrankenwagen benötigt. 

Die Einbindung vom Katastrophenschutz hat die Nichtverfügbarkeit von Rettungsmittel des Rettungsdienstes über viele Stunden auf das wesentlich reduzieren können. Bei dem Einsatz Küssaburg waren ca. 1/3 der Einsatzmittel vom Rettungsdienst und 2/3 vom Katastrophenschutz. Da bei diesem Einsatz nur organisationseigene Einsatzfahrzeuge vom DRK KV Waldshut alarmiert wurden beruht auf der nahen örtlichen Stationierung dieser Fahrzeuge. 

Wir haben spontan und unkompliziert das geleistet was man von uns erwartet. 

Ich bedanke mich im Namen vom Vorstand vom DRK Kreisverband Waldshut e.V. bei allen DRK Einsatzkräften vom Rettungsdienst und Katastrophenschutz für das rasche Erscheinen an der Einsatzstelle, die Disziplin, die gute fachliche Arbeit und den tollen Teamgeist bei der Einsatzabwicklung